8.7.10

Heinz Erhardt

Der unvergessene, Komponist, Dichter, Musiker, Humorist und Schauspieler wurde am 20. Februar 1909 in Riga geboren, dass damals in Russland lag. Seine Eltern trennten sich bald nach seiner Geburt. Seine Mutter ging nach St. Petersburg und sein Vater arbeitete als Kapellmeister in Deutschland. Heinz Erhardt wuchs in Riga bei seinen Großeltern auf, aber noch bevor er zur Schule ging, wurde er für kurze Zeit von seiner Mutter nach St. Petersburg geholt, damit er nun bei ihr leben solle. Doch er fühlte sich da so unwohl, dass er schließlich zurück zu seinen Großeltern gehen konnte. Um 1919 herum machten sich die Ausläufer der Revolution in Russland breit und sein Vater holte ihn nach Deutschland, wo er mit seiner Stiefmutter lebte, doch schon 1924 zog Heinz Erhardt wieder zu seinen Großeltern. Die Schule war nicht so sehr der Ort, an dem er sich wohl fühlte. Er ging 1926 ohne Abschluß von der Schule ab und begann bei seinem Großvater Paul Neldner in dessen Musikgeschäft zu arbeiten. Um diesen Beruf zu erlernen, musste er in Leipzig dann in die Lehre gehen, jedoch verbrachte er seine Zeit lieber damit, Klavierspiel zu studieren. Nachdem er trotz seines Klavierspiels die Lehre abgeschlossen hatte, arbeitete er weiterhin im Geschäft seines Großvaters, fühlte sich aber auch dort nicht richtig wohl.


Ende der 20er Jahre (sein Großvater starb 1929) begann er mehr und mehr zu merken, dass die Bühne für ihn das Richtige sei. Er schreib ein eigenes kleines Programm und ging damit auf Tour und sein bescheidener Erfolg gab ihm Recht. Schon ab 1932 stand er auf größeren Bühnen und ab 1938 gab er die Arbeit im Musikgeschäft auf und widmete sich ganz der Bühne. Sein Erfolg wurde immer größer und bald schon wurde sein Namen bekannt. Während des Krieges wurde er zur Truppenunterhaltung eingesetzt und am Ende des Wahns waren alle Familienmitglieder (seine Frau und die Kinder) noch am Leben. Nach dem Krieg begann er beim Radio, wechselte dann aber wieder zum Theater und ab 1947 kamen dann auch die ersten Filmrollen. Bald schon wurde er in ganz Deutschland bekannt, nicht nur als Darsteller auf der Bühne, sondern auch als Filmschauspieler.


Das Aufkommen des Fernsehens machte ihn dann restlos in ganz Deutschland berühmt und beliebt und der Erfolg seiner Bühnenprogramme wurde nur noch durch die Erfolge seiner Filme übertroffen. 1961 rief er seine eigene Produktionsfirma, die "Heinz Erhardt Productions" ins Leben - der erste Film seiner Gesellschaft aber wurde ein Reinfall, ein Krimi mit dem Titel "Abenteuer in Norfolk", in dem er einmal nicht als Komiker zu sehen war - prompt wurde der Film ein Flop (nebenbei bemerkt: die Firma stellte er bereits 1963 wieder ein). Im selben Jahr erschien sein Buch "Noch ´n Gedicht", dass zu einem großen Erfolg wurde und in den folgenden Jahren immer wieder mal neu aufgelegt wurde. Der Titel ist heute schon längst in den Alltag übergegangen. "Wenn mir - Gott bewahre - etwas zustossen sollte und ich zum Beispiel nicht mehr gehen kann, dann müsst ihr mich eben auf die Bühne tragen. Solange ich nur sprechen kann, werde ich es schaffen, das Publikum zum Lachen zu bringen", so ähnlich hatte sich Heinz Erhardt öfter in Interviews geäußert. Auf der Bühne zu stehen und seine Fans zum Lachen zu bringen, war für ihn (trotz seines extremen Lampenfiebers) das Größte. Und genau das wurde ihm genommen, als er im Dezember 1971 einen Schlaganfall erlitt. Danach war er halbseitig gelähmt und zu seinem Unglück war auch das Sprachzentrum im Gehirn betroffen, so das er nichts mehr sagen konnte. Er konnte alles sehen und hören, was um ihn herum geschah, aber bis zu seinem Tod konnte er kein Wort mehr reden.


Zu seinem 70. Geburtstag erhielt Heinz Erhardt, der auch in dieser Zeit schon nie von seinen Fans vergessen worden war, das Bundesverdienstkreuz, das er in seinem Haus entgegennahm, da sein Zustand keine Ausflüge mehr zuließ. In den frühen Morgenstunden des 5. Juni 1979 starb Heinz Erhardt im Alter von 70 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof in Ohlsdorf, Hamburg.


Heinz Erhardt hatte vier Kinder aus seiner 1935 geschlossenen Ehe mit Gilda Zanetti: Grit (*1936), Verena (*1940), Gero (*1943, arbeitet als Regisseur) und Marita (*1944). Auch Jahre nach seinem Tod finden sich immer wieder neue Fans, die den Humor von Heinz Erhardt neu für sich entdecken - oder wieder entdecken. Seine Filme gibt es seit Jahren nicht nur auf Video, sondern nun auch als DVD, seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt und seine Auftritte auf der Bühne als Humorist werden ebenfalls immer wieder neu auf CD veröffentlicht.



Seine Filme (Auszug)


Ende der 40er Jahre begann Heinz Erhardt die Leute auch im Kino zu unterhalten. Sein erster großer Erfolg war der 1957 produzierte "Witwer mit 5 Töchtern", den Erich Engels drehte. Neben Erhardt als besagter Witwer Friedrich Scherzer spielten damals Susanne Cramer, Angelika Meissner, Vera Tschechowa, Elka Aberle und Christine Kaufmann als seine Töchter.  Die damals 12jährige Christine Kaufmann (geboren am 11. Januar 1945) war in diesem Film längst keine Unbekannte mehr. Bereits 1952 hatte sie im Alter von 7 Jahren in dem Film "Im weißen Rössl" ihr Debüt gegeben - sie ist noch heute als Darstellerin aktiv. Regisseur Erich Engels (23.05.1889 - 25.04.1971) arbeitete später noch öfter mit Erhardt zusammen, in den Filmen "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958) und in "Natürlich die Autofahrer" (1959).


Seine nächsten Filme brachten ihm dann ebenso Erfolg, das waren Filme wie "Immer die Radfahrer" (1958), "Vater, Mutter und neun Kinder" (1958) oder "Der Haustyrann" (1959), in dem er als Hausbesitzer Paul Perlacher mit jedem im Streit liegt. Einer seiner vielleicht größten Erfolge wurde der 1959 gedrehte "Natürlich die Autofahrer", wiederrum unter der Regie von Erich Engels. Als Wachtmeister Eberhard Dobermann vertritt er streng die Buchstaben des Gesetzes und kommt dabei manchmal auch privat ins Gehege. Als er ein Auto gewinnt, muß er - um den Wagen zu bekommen - den Führerschein machen. Neben Erhardt spielten hier Maria Perschy als seine Tochter Karin, Ruth Stephan als Jutta und Trude Herr als Fahrlehrerin. Es folgten weitere Filme, die damals bekannt waren, heute aber im Gegensatz zu den eben genannten, etwas an Popularität eingebüßt haben; wie "Drillinge an Bord" (1959), "Der letzte Fußgänger" (1960), "Kauf dir einen bunten Luftballon" (1961) oder "Ach Egon!" (1961).


Etwas bekannter ist auch heute noch der 1961 entstandene "Drei Mann in einem Boot", in dem Erhardt zusammen mit Walter Giller und Hans-Joachim Kulenkampff unter der Regie von Helmut Weiss spielte. Die weibliche Hauptrolle übrigens spielte Susanne Cramer, die schon als Erhardt's "Tochter" Karin 1957 in "Witwer mit 5 Töchtern" gespielt hatte. In den 60er Jahren widmete er sich auch immer öfter dem Fernsehen - dem Erhardt nicht ganz offen gegenüber stand - und spielte in diversen TV-Produktionen mit. Im Kino war er zweimal in den damals erfolgreichen Karl-May-Adaptionen aufgetreten: 1965 in "Das Vermächtnis des Inka" als Professor Morgenstern und 1965 als Kantor Hampel in "Der Ölprinz".


"Das Vermächtnis des Inka" ist nicht unbedingt der bekannteste Film aus der Reihe von Werken nach Karl May. Hier spielten Guy Madison, Rik Battaglia, Fernando Rey und William Rothlein die Hauptrollen. In dem 1965 entstandenen "Der Ölprinz" von Harald Philipp, der auch heute noch bekannt ist, spielten Stewart Granger als Old Surehand und Pierre Brice als Winnetou - und auch ein Schauspieler namens Mario Girotti, der ab den 70er Jahren eine internationale Karriere als Terence Hill machen sollte. Ab den 70er Jahren wurde Heinz Erhardt auch deutschlandweit bekannt als der Finanzbeamte Willi Winzig, den er in dem Theaterstück "Das hat man nun davon" (gab es 1971 als Aufzeichnung im Fernsehen) und in zwei Kinofilmen spielte: 1970 in "Was ist denn bloß mit Willis los?" und 1971 in "Willi ist der Beste" - beide Filme inszenierte Werner Jacobs. Im Jahr 2007 wurde im Fernsehen eine Sendung ausgestrahlt, in der der beste deutschsprachige Komiker gesucht wurde und die Wahl fiel auf Loriot als Platz 1 und gleich dahinter kam Heinz Erhardt.


Manche Schauspieler sind eben zu Recht unvergessen - und dazu gehört mit Sicherheit auch Heinz Erhardt.






Filmografie


1949: Wer macht was falsch?
1949: Gesucht wird Majora
1950: Liebe auf Eis
1955: Drei Tage Mittelarrest
1956: Ich und meine Schwiegersöhne
1956: Die gestohlene Hose
1956: Mädchen mit schwachem Gedächtnis
1956: II-A in Berlin
1957: Der müde Theodor
1957: Witwer mit 5 Töchtern
1958: Immer die Radfahrer
1958: So ein Millionär hat´s schwer
1958: Vater, Mutter und neun Kinder
1959: Der Haustyrann
1959: Natürlich die Autofahrer
1959: Drillinge an Bord
1960: Der letzte Fußgänger
1960: Der Vogelhändler (TV)
1960: Kauf dir einen bunten Luftballon (
1961: Mein Mann, das Wirtschaftswunder
1961: Ach Egon!
1961: Drei Mann in einem Boot
1961: Musik aus aller Welt (TV)
1961: Freddy und der Millionär
1962: Die Post geht ab
1962: Axel Munthe - Der Arzt von San Michele
1962: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett
1963: Apartmentzauber
1964: Musikauktion (TV-Serie)
1964: Die Reise auf den Mond (TV)
1964: Wenn man baden geht auf Teneriffa
1964: Die große Kür
1964: Doddy und die Musketiere (TV)
1965: Das Vermächtnis des Inka
1965: Der Ölprinz
1966: Der nächste Urlaub kommt bestimmt (TV)
1966: Das gewisse Etwas der Frauen
1967: Aktien und Lorbeer (TV)
1968: Die Landstreicher (TV)
1968: Otto ist auf Frauen scharf
1969: Charleys Onkel
1969: Warum hab ich bloß 2 x ja gesagt?
1969: Klein Erna auf dem Jungfernstieg
1970: Die Herren mit der weißen Weste
1970: Humor ist, wenn man trotzdem singt (TV)
1970: Was ist denn bloß mit Willi los?
1970: Das kann doch unseren Willi nicht erschüttern
1971: Das hat man nun davon (TV)
1971: Der Opernball (TV)
1971: Unser Willi ist der Beste
1971: Glückspilze (TV)
1971, 72: Willi wird das Kind schon schaukeln
1979: Noch ´ne Oper (TV)

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